33. Klöppelspitzen-Kongress in Saarlouis 2015

Fotos: S. Lüdtke, Text: S. Lüdtke

Amsterdam, Bad Bramstedt, Bremen, Chemnitz, Metz, das sind alles Roland-Städte - und jetzt auch Saarlouis - nur, dass hier der Roland nicht hölzern oder steinern vor dem Rathaus steht, sondern ganz lebendig im Rathaus sitzt und von hier aus die Geschicke der Stadt lenkt.

 

Roland Henz, Oberbürgermeister von Saarlouis (hier bei der Übergabe der Klöppel an den Oberbürgermeister der Stadt Emden, Bernd Bornemann), unterstützte den Deutschen Klöppelverband e. V. auf die allerbeste Weise. Dafür schickte er sein unglaubliches Mitarbeiter-Team in das Kongressgetümmel, dessen Mitglieder halfen und unterstützten, wo sie nur konnten und machten so auch das Unmögliche möglich. "Unmögliches machen wir sofort, Wunder dauern etwas länger", so könnte der Wahlspruch der städtischen Mannschaft von Saarlouis zusammengefasst werden, sogar wenn der Amtsschimmel mal anfangen wollte zu wiehern. Saarlouis bekommt für seine Unterstütztung des Verbandes ganz klar eine 1+. Und auch die Ministerin für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Monika Bachmann, gratulierte dem Klöppelverband zur Auswahl des Kongressortes. Sie meinte, dass es nicht nur eine gute Wahl war, sich für das Saarland zu entscheiden, sondern dass man sich mit Saarlouis auch noch die schönste Stadt im Saarland ausgesucht hätte. Und sie wüsste das so genau, weil sie selbst in Saarlouis wohnt. Ja, es menschelte in den Ansprachen während des Empfangs, der Eröffnung und der Abendveranstaltung. So macht es Spaß, Politikern zuzuhören.

  • Der modernen Teil der Hauptausstellung "Halbschlag - Struktur Form Farbe" konnte in der Kaserne VI bewundert werden. Hier war wohl eine der umfangreichsten Hauptausstellungen zu sehen, die jemals bei einem Klöppelspitzen-Kongress gezeigt wurde. Der Raum war riesig, die Ausstellung war riesig, die Resonanz des Publikums war riesig. Wer bis zum Ende des historischen Kasernengebäudes gegangen war, wurde hier mit zwei kleinen Ausstellungen verwöhnt. Die Blumenwiese, Entwurf: Esther Wanzenried, Ausführung: 25 schweizer Klöpplerinnen, zeigte auf zarte Weise, wie unterschiedlich stilisierte Halbschlag-Blüten aussehen können. Besonders schön war die Präsentation, weil die Blumen sich bei Luftzug wie richtige Blumen im Wind hin und her wiegten.
    Auch konnte man Ergebnisse eines Workshops von Ruth Bühlmann sehen. Hier klöppelten Elisabeth Zulauf, Lieselotte Bauknecht und Esther Wanzenried Frauen, reinweg im Halbschlag, ohne Paare hinzuzufügen oder rauszunehmen. Einige Exemplare aus dieser Präsentation sind auf dem Titel der Kongressmappe zu finden.
     
  • Den historischen Teil der Hauptausstellung "Halbschlag in historischen Spitzen" konnten die Besucher auf der Vauban-Insel erleben. Unter dem Motto "Klein aber fein" wurde hier mit wunderschönen Exponaten demonstriert, dass der Halbschlag keine moderne Erfindung ist, sondern schon immer in den unterschiedlichsten Spitzen Verwendung fand. Neben den historischen Spitzen wurde die Ausstellung Stecknadeln und einige Verwandte präsentiert. Nadeln sind ja ein großes Thema beim Klöppeln. Und Stecknadeln zu besitzen, war nicht immer eine Selbstverständlichkeit.
     
  • Das Rathaus bebte und der Bürgermeister musste wohl so manche Sitzung absagen, weil alle Räumlichkeiten, die nicht von einem Mitarbeiter durch Besetzung verteidigt wurden, kurzerhand vom Klöppelverband übernommen wurden. Im Empfangssaal und auf dem davor gelagerten Flur konnte man die Letzten ihrer Art bewundern, Spitzen aus dem Sudetenland aus der Manufaktur Edeltraut und Karl Forster Pechgrün-Aalen-Abtsgmünd, die teilweise so groß waren, dass man gut nachvollziehen kann, dass das gesamte Projekt vom Überlassen der Klöppelbriefe bis zur Veröffentlichung des Buches 10 Jahre in Anspruch nahm. Wer nach dem Genuss dieser Ausstellung sich gleich das Buch kaufen oder die Verbandszeitung loben wollte, konnte dieses im Erdgeschoss tun, wo der AK Redaktion seine Zelte aufgeschlagen hatte.
    Auf der Empore in der 1. Etage konnten die Kongressbesucher die Exponate des Wettbewerbs 2015 "Tür und Tor" und die Exponate des Wettbewerbs für Kinder und Jugendliche "Aladin und seine Reise durch 1001 Nacht" bestaunen.
    Im Erdgeschoss des Rathauses zeigten die Otzberger Klöppelhexen, das man wirklich alles mit Klöppeln verschönern kann, sogar Spüliflaschen. Und sie demonstrierten eine Jahreszeitenuhr aus 12 geklöppeltern Bildern, die leider aus Platzmangel nicht richtig präsentiert werden konnte. Diese Gruppe aus Mädchen und jungen Damen, unter der Leitung von Edith Braun, bereichert den Kongress seit vielen Jahren und ist immer ein Publikumsmagnet, wenn sie (wie am Samstag) beim Schauklöppeln zu beobachten ist.
  • Mitten in der Fußgängerzone klapperten nicht nur die Klöppel sondern auch die örtlichen Klöpplerinnen. Denn am Samstag spielte das Wetter leider nicht so mit. Aber, es gibt ja nichts, was eine Klöpplerin vom Klöppeln abhält, und schon gar nicht vom Schauklöppeln. Und so hüllten sich die Damen in Decken, die die Feuerwehr ihnen überlassen hatten, und klöppelten trotz Nieselregens einfach weiter. Und viele interessierte Kongressbesucher und Einwohner Saarlouis dankten es ihnen.

  • Wer noch ein Stückchen weiter ging, gelangte zur Volkshochschule, die war komplett vom Verband übernommen worden. Es war aber eine freundlich und keine feindliche Übernahme. Wir hoffen, das Team der VHS sieht das genau so. 
    Im Erdgeschoss befanden sich der DKV-Stand und das Kongressbüro, beide wichtige Anlaufpunkte für die Kongressbesucher, um Fragen, Sorgen und auch Geld loszuwerden. :o)
    In der 1. Etage teilten sich drei Ausstellungen die Räume. Der AK Ausbildung zeigte eine Auswahl von Arbeiten, die während des letzten Jahres in Lehrgängen, Workshops und Seminaren angefertigt wurden. Gegenüber war Barbara Saupe fasziniert von Wiederholungen und führte mit ihrer Energie zum wiederholten Male eine Gruppe von Klöppelkönnerinnen zu Höchstleistungen. Nebenan wurden die Ergebnisse der Mitmach-Aktion Verzogenes Raster, zusammengestellt in einem Mosaik, gezeigt. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich ein Thema interpretiert wird. Und manch eine/einer wird vielleicht dadurch den Mut gefasst haben, sich auch mal an solch eine Arbeit heranzuwagen.

  • Etwas ab vom Schuss lag das Vereinshaus Fraulautern, doch was dort geboten wurde, war auf keinen Fall weniger attraktiv, nur weniger nahe dran am übrigen Kongressgeschehen. Uns so lauteten die Traumzahlen an diesem Wochenende nicht 90-60-90 sondern 401-402-403-404 und bezeichneten die örtlichen Buslinien, die die Interessierten von der Innenstadt nach Fraulautern fuhren.
    Im Vereinshaus waren die Stände des AK Ausbildung und des AK Geschichte zu finden, der Flohmarkt lockte mir zahlreichen Schnäppchen, hochklassige Vorträge waren zu hören und die VSS, die Vereinigung der Schweizer Spitzenmacherinnen zeigte eine tolle abwechslungsreiche Ausstellung. Außerdem fanden hier die Mitgliederversammlung und die Abendveranstaltung statt.

  • Und last but not least lag auf dem Weg zwischen Innenstadt und dem Vereinshaus Fraulautern die Sporthalle "In den Fliesen" (was immer das auch bedeuten mag). Und hier war die allseits geschätzte Händlerhalle beheimatet. Der Andrang muss am Samstag Mittag spektakulär gewesen sein. Jedenfalls war der Oberbürgermeister von Saarlouis sehr beeindruckt.