Von der Faser zur gewebten Decke

 

Arbeitsgeräte zur Leinengewinnung

Modell eines Gewichtswebstuhls

Ein Besuch im Textilen Zentrum Haslach im Mühlviertel, Österreich zeigt den Werdegang einer Wolldecke von der Faser bis zur Appretur. Von Wollballen an der Krempel werden die interessierten Besucher beim Eintritt in den Bereich der Spinnerei, Webereivorbereitung und der Weberei begrüßt.
In der Krempel werden die Ballen aufgerissen, grobe Verunreinigungen beseitigt, gelockert und schon grob für die Kardiermaschine ausgerichtet. In der Kardiermaschine werden die Fasern gestreckt und gekämmt. Das Kardenband ist die Vorstufe für die Spinnerei.
Die Spinnmaschine streckt das Kardenband mit Drehung weiter, zum Faden. Mehrere Fäden werden an der Zwirnmaschine zum fertigen Garn gezwirnt. Nach diesen Arbeitsgängen wird das Garn gedämpft, damit es den so genannten "Drall" verliert und sich besser weiter verarbeiten lässt.

Die fertig gedämpften Spulen werden nun im Schärgatter, nach einem bestimmten Schärrapport oder für Uni im "1 - 1" System aufgesetzt. Die einzelnen Fäden treffen sich am Riet vor der Schärtrommel. Hier werden die Fäden nochmals kontrolliert, ob der Schärrapport und die Schärbandbreite mit den Vorgaben der Designatur übereinstimmen.
Das erste Kreuz (wichtig für den Webprozess) wird geschlagen und markiert, nun kann die gewünschte Kettfadenlänge auf die Schärtrommel gewickelt werden, das zweite Kreuz wird geschlagen. Dieser Vorgang wird sooft wiederholt, bis die gewünschte Kettbreite erreicht ist. Die Kettfäden werden jetzt noch auf den so genannten Kettbaum umgewickelt.
Der Kettbaum wird zum Webstuhl gefahren, direkt an einer schon fast abgewebten Kette angeknotet oder vorher noch passiert. Das Passieren muss bei einer neuen Bindung mit einer neuen Anzahl der Schäfte erfolgen, oder wenn ein Webstuhl mit einer neuen Stoff qualität belegt wird.
Nach dem Einrichten des Webstuhles, erfolgt das Anweben und nochmals die Kontrolle, ob das Bändel mit dem Design der Designnatur übereinstimmt. Stimmen diese Vorgaben, kann der Webprozess beginnen.

Diese Arbeitsschritte werden im Textilen Zentrum in Haslach an Maschinen vorgeführt, die noch vor rund 20 Jahren in der Produktion fiir die Polsterstoffe der Automobilindustrie eingesetzt wurden.
Neben der Geschwindigkeit in der Weberei hat sich auch die Herstellung der Karten für die Jacquardmuster geändert. Früher wurden zuerst die Jacquardpatronen gezeichnet, anschließend wurde die Jacquardkarte geschlagen und in die Jacquardmaschine eingehängt.
Vor rund 25 Jahren hielt die EDV Einzug in diesen Bereich. Die ersten Firmen entwickelten Softwareprogramme fiir diesen Bereich, auch diese Entwicklungsschritte kann sich der Besucher im Textilzentrum in Haslach anschauen.

Die Entwicklung der Handwebstühle ist auch sehr interessant und ein Rundgang wert. Für mich war der Gewichtswebstuhl faszinierend, denn er erinnert mich an unser aller Hobby.
Die Flachsverarbeitung ist auch sehr ausführlich dargestellt und auch beschrieben.
Im Eingangsbereich zu den Handwebstühlen kann sich der interessierte Besucher über die Entstehung unserer Fasern bzw. Garne informieren. Hier wird textile Technologie verständlich erklärt.
Im Übergang zwischen den Handwebstühlen und den ersten mechanischen Webstühlen kann sich der Besucher über die verschiedenen textilen Flächengebilde informieren, hierzu gehört natürlich auch eine Klöppelspitze.
Auf dem Weg zum Musterkabinett werden dem Besucher in Themenschaukästen die verschiedenen textilen Verbindungen an Produkten der heutigen Zeit gezeigt.

Das Textile Zentrum Haslach ist ein Besuch Wert, bei einer geschickten Routewahl benötigen Sie keine gebührenpflichtigen Straßen.

Textile Kultur Haslach
Stahlmühle 4
4170 Haslach
Österreich
www.textile-kultur-haslach.at


Lydia Brechels
Bericht, Fotos